Einige von euch wissen ja sicher, dass ich ursprünglich aus dem Süden der Republik stamme und in Berlin nur irgendwann mal gestrandet bin. Nein, ich komme nicht aus Bayern und auch nicht aus Schwabistan. Ich wurde im schönen Badner Ländle geboren und bin dort auch aufgewachsen. Böse Zungen würden jetzt »Gelbfiaßler« sagen, aber die ignorieren wir jetzt mal ganz dezent. Neben unserem tollen Dialekt gibt es dort unten auch leckere Gebäcke – z.B. Schwäbische Seelen, oder wie sie bei mir zu Hause heißen: Badische Seelen…

Wie das so ist, wenn man aus einer bestimmten Region kommt, aber in einer anderen lebt – irgendwas fehlt einem immer. In meinem Fall sind das ordentliche Laugenbrötchen und solche leckeren Seelen! Brezeln können sie auch hier mittlerweile ganz gut in Berlin, aber alles andere… etwas schwierig.
Wer sich jetzt wundert, ich bin nicht vom Weg abgekommen und hab’ mich mit dem Teufel oder Ähnlichem verbunden. Seelen sind leckere übergroße Brötchen oder zu klein geratene Brotlaibe aus Süddeutschland. Man könnte auch »eingedeutschte Baguette« sagen. Wüsste jetzt nicht, wie ich sie anders beschreiben soll.

Seelen gibt es bei mir in der Heimat an jeder Ecke zu kaufen (ja, das klingt seltsam). Hier in Berlin muss man mit der Lupe suchen. Was eine große Bäckerei-Kette als »Seelen« hier im Umland verkauft, kann man nicht wirklch als solche bezeichnen… die fallen also raus. Bisher hab’ ich bei uns in der Ecke nur auf einem Wochenmarkt am Kollwitzplatz »richtige Seelen« gefunden. Und wer hätte es gedacht, die Ecke gilt als schwäbische Enklave auf Berliner Boden, weil hier so viele »Zuzogene« aus’m Ländle residieren… Da gibt’s dann natürlich auch den richtig geilen S****!
Was also tun? Selbst backen, wenn es sonst keiner macht oder kann. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Man braucht etwas Geduld und Zeit für die Zubereitung von Seelen, aber das war’s im Grunde auch schon. Kein Hexenwerk. Wer schon einmal Brot oder Brötchen gebacken hat, kommt auch mit Seelen klar.
Was macht dieses Gebäck aus? Was ist so besonders daran? Da ist zum einen natürlich die Form. Langgezogene Teile, die ordentlich mit Salz und Kümmel bestreut sind. Ich mag die Dinger supergerne.
Seelen sind außen knusprig, innen großporig und relativ feucht. Ich esse sie am liebsten frisch, einfach nur mit Butter. Richtig lecker! Wenn sie ein Weilchen gelegen haben, kann man sie auch prima noch einmal aufbacken. Selbst einfrieren und dann aufbacken geht ohne Probleme.
ZUTATEN / INGREDIENTS
(5-6 Seelen)
21g frische Hefe
480ml kaltes Wasser
550g Dinkelmehl (Type 630)*
150g Mehl (Type 405)*
2 TL Salz
einige Kümmelsamen (ganz)*
etwas grobes Salz*
Salzwasser (1/2 TL Salz auf 60ml Wasser)
(5-6 bread rolls)
0.75 oz. (21g) fresh baker’s yeast
2 cups (480ml) cold water
19.4 oz. (550g) spelt flour*
5.3 oz. (150g) all-purpose flour*
2 tsp. salt
some caraway seeds*
some coarse salt*
saltwater (1/2 tsp. salt for 1/4 cup water)

ZUBEREITUNG / DIRECTIONS
1. Die Hefe in ein Gefäß bröckeln und mit dem Wasser verrühren, bis sie sich aufgelöst hat. Die beiden Mehlsorten zusammen mit dem Salz in die Schüssel einer Küchenmaschine (mit Knethaken) sieben und dann das Hefewasser dazuschütten und alles für etwa 20 Minuten durchkneten lassen.
2. Den Teig in eine große Schüssel geben und dann mit Klarsichtfolie locker abdecken und dann über Nacht für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank stellen, damit der Teig langsam aufgehen kann.
3. Den Ofen samt Backblech auf 250°C (480°F) Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein großes Stück Backpapier auf die Arbeitsfläche legen und mit ein wenig Mehl bestauben. Mithilfe eines Teigschabers und bemehlten Händen den Teig in 5-6 Portionen aufteilen und daraus etwa 24cm lange Teiglinge ziehen. Mit etwas Abstand zueinander auf das vorbeireitete Backpapier setzen. Die Teigstücke nach Belieben mit Salz und/oder Kümmel bestreuen.
4. Das heiße Blech aus dem Ofen nehmen und die Teiglinge mit dem Backpapier auf das Blech ziehen, dann zurück in den Ofen schieben und für etwa 16-18 Minuten backen. Die Seelen sollten eine schöne goldbraune Farbe bekommen haben. Aus dem Ofen nehmen, umgehend mit etwas Salzwasser bestreichen und dann auf einem Gitter auskühlen lassen.
1. Crumble the fresh yeast into a tall bowl and mix with the water until dissolved completely. Sift the flour and salt into the bowl of a food processor (with dough hooks), add the yeast water and let the dough knead for about 20 minutes.
2. Transfer the dough to a large bowl/container that fits into your fridge. Cover the dough loosely with plastic wrap and place it in the fridge overnight for a minimum of 12 hours.
3. Preheat the oven including a baking sheet to a temperature of 250°C (480°F). Place a large piece of baking parchment on your work surface and dust it with a bit of flour. Cut the dough into 5-6 pieces. Work with floured hands and shape each dough piece into a log with a length of about 24cm. Place those logs with some space in between on the prepared baking parchment. Sprinkle the dough logs with salt and/or caraway seeds to your liking.
4. Take the baking sheet out of the oven and pull the baking parchment with the dough pieces onto the baking sheet. Try not to burn yourself! Bake the bread rolls for about 16-18 minutes or until nicely golden brown. Take them out of the oven and brush them immediately with some saltwater. Transfer to a wire rack and let cool down completely.

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Hier ist eine Version des Rezepts, die man leicht drucken kann.
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Schwäbische (bzw. Badische) Seelen
- Prep Time: 00:35
- Cook Time: 00:18
- Total Time: 13:00
- Yield: 5 1x
- Category: Brötchen
- Method: -
- Cuisine: Deutschland
- Diet: Vegetarian
Beschreibung
Ein typisches Gebäck aus dem Süden der Republik – Schwäbische bzw. Badische Seelen werden mit Dinkelmehl gebacken und sind perfekt für Frühstück oder unterwegs.
Zutaten
21g frische Hefe
480ml kaltes Wasser
550g Dinkelmehl (Type 630)*
150g Mehl (Type 405)*
2 TL Salz
einige Kümmelsamen (ganz)*
etwas grobes Salz*
Salzwasser (1/2 TL Salz auf 60ml Wasser)
Arbeitsschritte
1. Die Hefe in ein Gefäß bröckeln und mit dem Wasser verrühren, bis sie sich aufgelöst hat. Die beiden Mehlsorten zusammen mit dem Salz in die Schüssel einer Küchenmaschine (mit Knethaken) sieben und dann das Hefewasser dazuschütten und alles für etwa 20 Minuten durchkneten lassen.
2. Den Teig in eine große Schüssel geben und dann mit Klarsichtfolie locker abdecken und dann über Nacht für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank stellen, damit der Teig langsam aufgehen kann.
3. Den Ofen samt Backblech auf 250°C (480°F) Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein großes Stück Backpapier auf die Arbeitsfläche legen und mit ein wenig Mehl bestauben. Mithilfe eines Teigschabers und bemehlten Händen den Teig in 5-6 Portionen aufteilen und daraus etwa 24cm lange Teiglinge ziehen. Mit etwas Abstand zueinander auf das vorbeireitete Backpapier setzen. Die Teigstücke nach Belieben mit Salz und/oder Kümmel bestreuen.
4. Das heiße Blech aus dem Ofen nehmen und die Teiglinge mit dem Backpapier auf das Blech ziehen, dann zurück in den Ofen schieben und für etwa 16-18 Minuten backen. Die Seelen sollten eine schöne goldbraune Farbe bekommen haben. Aus dem Ofen nehmen, umgehend mit etwas Salzwasser bestreichen und dann auf einem Gitter auskühlen lassen.
Hinweise
Viel Spaß beim Backen!
Das Rezept hat 2026 ein kleines Update und neue Bilder bekommen – so hat das Ganze zehn Jahre früher mal ausgesehen…


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vielen Dank fürs Rezept. Auch ich bin Exil-Schwabe und auf Entzug… Seelen heißen übrigens so, weil sie früher am Feiertag Allerseelen auf die Gräber gelegt wurden, als Wegzehrung für die Toten bis zum jüngsten Tag. Daher auch die längliche Form. So. Ich geh dann mal Teig machen…
Wieder was gelernt :) Hab mich schon als Kind gefragt, warum die so heissen, aber wusste niemand ;)
LG Marc
Lieber Marc,
das Rezept ist wirklich ganz toll!
Wir fahren jedes Jahr in den Weihnachtsferien nach Wangen im Allgäu, weil die Großeltern meines Mannes dort gelebt haben. Wir ernähren uns dann zwei Wochen praktisch nur von Seelen.
Und jetzt wollte ich sie endlich mal selbst angehen.
Ich habe mich natürlich im Rezept verlesen und bin von einer Gehzeit von 1-2 statt 12 Stunden ausgegangen. Kleiner Unterschied… Ich habe es aber dann nach den 2 Stunden gemerkt. Da wir alle aber sooo sehr JETZT Seelen wollten, habe ich mir Teig für 2 Seelen abgestochen und den Rest in den Kühlschrank gestellt. Was soll ich sagen – auch mit einer so kurzen Gehzeit sind die Seelen schon wahnsinnig lecker und original! Kann es kaum erwarten, wie sie erst nach 12 Stunden schmecken!
Danke fürs Teilen dieses tollen Rezeptes!
Alles Liebe, Janine
Hallo Janine,
na das freut mich, dass die Seelen auch schon nach 2 Stunden geschmeckt haben :)
Bin gespannt, ob du einen Unterschied schmeckst nach der kompletten Gehzeit…
LG Marc
Hallo Marc,
VIELEN LIEBEN DANK für dieses geniale Rezept!
Ich backe ausschließlich unsere Brote, Baguettes, Brötchen selbst und habe dadurch schon viele Rezepte ausprobiert.
Dein Rezept von den Seelen ist eines der besten Rezepte, die ich je gebacken habe.
Wir sind total vom Hocker. Schmeckt besser, als vom Bäcker.
Danke nochmal und weiterhin viel Spaß und Erfolg bei deinem Tun.
Liebe Grüsse
Claudia
Dein Seelenrezept ist genial, sie schmecken sooo lecker!
Aber sag mal, sind sie für Diabetiker günstig?
Hallo Silvia,
weißes Mehl ist generell nicht besonders „günstig“ für Diabetiker, da sollte man eigentlich immer auf Vollkornprodukte zurückgreifen.
Wenn jemand gut eingestellt ist bei seinem Diabetes, schadet eine Seele hier und da sicher nicht, aber erste Wahl sollten sie wohl nicht sein ;)
LG Marc
Danke Marc für deine Antwort, das berücksichtige ich.
Dein Blog und deine Rezepte machen Freude und sind super erklärt, danke, mach bitte so weiter und dir auch viel Spass.
LG Silvia
Hallo Marc,
tausend Dank für dieses Rezept! Ich habe es jetzt schon so oft gebacken und bin jedes Mal begeistert. Heute früh meinte mein Mann dann auch „ Besser als vom Bäcker“ Wie schön kann ein Kompliment sein? Gebe es hiermit auch gerne an dich weiter ;)
LG
Das klingt super! Freut mich, wenn die Seelen gut ankommen :D
LG Marc
Hallo Marc,
als ich gerade Seelen nach deinem Rezept in den Ofen schieben wollte, kam mal wieder die Frage auf, in welcher Höhe sie reinkommen.
Welche Höhe ist denn richtig?
LG Silvia
Hallo Silvia,
wenn keine Angabe über die Position im Rezept gemacht wird, kann man eigentlich immer davon ausgehen, dass das Blech in die Mitte des Ofens gehört.
VG Marc